Apple Macintosh – Der mobile Erfolg (2008-2014)
Noch erfolgreicher als mit Desktops und Workstations befeuerte Apple ab 2008 sein Wachstum mit den mobilen Rechnern. Den Grundstein für diese Ära legte Steve Jobs im Januar 2008, als er das erste MacBook Air sprichwörtlich aus einem gelben Papierumschlag zog. Welchen Einfluss hatte dieses radikale Hardware-Konzept auf die gesamte Computerbranche – und warum verschätzte sich Microsoft-Chef Steve Ballmer bei der Bewertung dieses Meilensteins grundlegend?
Von Christoph Dernbach

Es war einer dieser unvergleichlichen, dramaturgisch perfekt inszenierten Momente auf der Macworld Expo im Januar 2008: Steve Jobs trat an das Rednerpult, griff nach einem ganz gewöhnlichen, gelben Manila-Papierumschlag und zog unter dem staunenden Raunen des Publikums ein hauchdünnes, silbern schimmerndes Notebook hervor.
Mit dieser weltberühmten Geste enthüllte Apple das erste MacBook Air – und definierte die Kategorie des ultraportablen Laptops von Grund auf neu. Um das selbst ernannte „dünnste Notebook der Welt“ zu erschaffen, hatte Jobs verkrustete Industriestandards radikal über Bord geworfen: Das interne optische Laufwerk wurde ersatzlos gestrichen, die Anschlüsse auf eine winzige, ausklappbare Leiste reduziert und das Gehäuse erstmals mittels eines neuartigen Präzisionsverfahrens aus einem einzigen, soliden Block Aluminium gefräst. Was von skeptischen Branchenkennern anfänglich noch als kompromissbehafteter, überteuerter Luxus abgetan wurde, wandelte sich in Windeseile zur prägenden Design-Blaupause für eine ganze Computer-Industrie.
Die Tragweite dieses Konzeptes wurde von der Konkurrenz zunächst jedoch drastisch unterschätzt. Ein besonders bemerkenswertes Beispiel für diese Branchen-Ignoranz lieferte der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer auf der Entwicklerkonferenz Mix’08. Microsoft hatte den taktischen Fehler begangen, ausgerechnet den ehemaligen Apple-Evangelisten Guy Kawasaki als Moderator für das Eröffnungs-Interview zu verpflichten. Kawasaki, der heute als Investor, Buchautor und Berater tätig ist, konfrontierte den Microsoft-CEO vor Publikum unverblümt mit dem missglückten Betriebssystem Windows Vista – ein Projekt, das Ballmer damals noch vehement verteidigte, später jedoch selbst als einen der größten Fehlgriffe der Microsoft-Geschichte einräumte.
Um der unangenehmen Diskussion über Vista zu entkommen, versuchte Ballmer zu einem Entlastungsangriff anzusetzen und nahm das frisch erschienene MacBook Air aufs Korn. Er spottete über den Verzicht auf das DVD-Laufwerk, die überschaubare Schnittstellen-Ausstattung und den hohen Preis der ersten Generation. Ballmer hatte jedoch die geschickte Konterfechtkunst seines Gegenübers unterschätzt: Schlagfertig und gelassen parierte Kawasaki die Angriffe des Microsoft-Giganten und hielt Ballmer spürbar den Spiegel vor, wodurch die Attacke auf Apples Mobil-Strategie vollends ins Leere lief.
Die Geschichte sollte Apple recht geben. Obwohl die internen Komponenten des MacBook Air maßgeblich von Intel stammten, benötigte der Chip-Gigant ganze drei Jahre, um ein eigenes Antwort-Konzept auf die Beine zu stellen. Erst Ende 2011 veröffentlichte Intel die Spezifikationen für sogenannte „Ultrabooks“, um den Herstellern von Windows-Laptops Vorgaben bei Akkulaufzeit, Gehäusedicke und Aufwachzeiten an die Hand zu geben, mit denen sie halbwegs zu Apples Vorsprung aufschließen konnten. Auch die anfängliche Schelte wegen des fehlenden optischen Laufwerks verstummte rasch, als sämtliche PC-Hersteller dem Vorbild Apples folgten.
Weiterlesen: Teil 9: Die Zukunft des Macs
30 Jahre Apple Macintosh
Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
Teil 9: Die Zukunft des Macs


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